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Keine nennenswerten Verkehrsbehinderungen
Am Wochenende habe ich mal wieder eine CD meiner Lieblingsband ins Autoradio mitgenommen. Denn wenn ich schon am Wochenende arbeiten muss, und dafür mehrere Stunden auf der Autobahn rumgurke, will ich wenigstens die Musik hören, die mir gefällt. Und das war das neueste Album meiner Lieblingsband: "Tevion CD-R80" heisst sie, und ihr neues Album heisst "14 mal laut bei 320 kbps".
Also schlappte ich, bepackt wie ein Maulesel, den rechten Ringfinger durch die CD geschoben, zum Parkplatz. Einsteigen, Tür zu, knirsch. Das neue Album hatte den ersten Ratscher weg. Egal. Ab damit in die Mittelkonsole und Geronimo Richtung Autobahn.
Angekommen auf einer sonntäglich früh gegen 7 an sich verwaisten Autobahn, jedoch eingekeilt zwischen drei Tiefkühllastern die fröhlich Elefantenrennen spielten, nervte mich der Rundfunktroll alsbald mit einem "auf Bayerns Strassen gibt es zur Zeit keine Verkehrsbehinderungen". Ja nee, is klar. Nur dass das deutsche Transportgewerbe neuerdings alles, vom Kieselstein bis zum Zeppelin, zur verderblichen Ware erklärt und es sonntags in Teifkühllastern über die Autobahnen juckelt.
Aber diese erste gefühlt zehnminütige Zwangspause bei 82km/h gab mir die Gelegenheit mein privates Tonstudio aufzurüsten. Ein Griff in die Mittelkonsole und ... Mist.
Was ich bei der Band Tevion wirklich hasse, ist ihr fehlendes Talent, ihre CDs vernünftig zu beschriften. Egal welches Album Du in die Hand nimmst, auf jedem steht "CD-R80 Recordable", das ist doch dämlich. Und Tevion hat wirklich viele CDs veröffentlicht.
Die erste CD in die Hand genommen, und in den Player geschoben. Aha, das ist also Tevions Coverversion von Queen's Greatest Hits, gut. Aber nicht das was ich hören wollte. Raus damit und in die Türablage. Nächste.
Es gibt ein Gesetz das besagt, dass das gesuchte Teil in einem Stapel ähnlicher Teile frühestens nach Durchsuchen von drei Vierteln des Stapels gefunden wird. Bei CDs ist das anders. Es ist die vorletzte. Immer. Egal wie umfangreich der Stapel ist.
Als meine Türablage also voll und die Mittelkonsole so gut wie leer war, und ich gelernt hatte, dass Tevion im Lauf der Zeit so gut wie alle bekannten Hit Alben der Welt gecovert haben muss, hatte ich das richtige Album gefunden. Song 1 stellte mir die Haare auf. In der Zwischenzeit hatten die Tiefkühllaster ihr Match ausgetragen, und die Bahn war frei. Und es gibts wenig schöneres, als nicht singen zu können, aber bei 230 Sachen auf der Bahn ungehemmt und furchtbar laut singen zu dürfen.
"Frrrrrt Krncks !!"
Eine Millisekunde später fand ich mich mit protestierenden Herzklappen auf der Standspur wieder. Mist! Der Ratscher in der CD war wohl doch zuviel für das Business CD Radio, auch wenn das normalerweise fast alles ausbügelt, was man einer CD antun kann. Weiterschalten, Song 2.
"Frrrrrt Krncks !!"
Ok, es war also wirklich was gröberes. Der naheliegende Gedanke war, die CD aus dem Player zu nehmen und was anderes zu hören. Aber hier kam die böswillige Intelligenz der Bayerischen Motorenwerke ins Spiel.
Denn die haben einen absolut genialen Trick entwickelt um dem Autofahrer die Zeit zu verkürzen und seine Aufmerksamkeit zu erhalten. Nicht nur, dass sie in ihre Radios ein Verfallsdatum einbauen, das dafür sorgt, dass man nach drei Jahren ein neues braucht, nein, das können Blaupunkt und Konsorten genauso. Die Jungs von BMW haben noch was viel besseres erfunden. Wenn eine CD so richtig im Eimer ist, dann geben sie sie nicht mehr her. Vermutlich damit man sie nicht versehentlich wieder zu den guten Scheiben packt.
Ich drückte den Auswurfknopf durch bis in den Motorraum, das Mistding kam nicht raus, und die Technik versuchte nach wie vor, wild schrubbend Töne von der Silberscheibe zu kratzen.
"Frrrrrt Krncks !!" Der Lärm steigerte sich ins Unerträgliche.
Nun ist es aber so, dass man ein Business CD Radio nicht einfach aus- und wieder einschalten kann, damit es alles vergisst, und einem die vergurkte Silberscheibe ungnädig in den Fussraum spuckt. Nein, dafür muss man die Zündung ausmachen, was bei Geschwindigkeiten jenseits von 200 nur etwas für wirklich hartgesottene Holländer ist.
Ungefähr 5km weiter gab ich es auf. Zwar hatte ich das kleine Notauswurf-Loch im Radio aus dem Augenwinkel gesehen, mit dessen Hilfe und unter Benutzung eines Kugelschreibers man eine CD aus dem Laufwerk zwangsentfernen kann, aber auch das erschien mir nicht wirklich praktikabel, ich hatte so schon die letzten Kilometer kaum noch auf die Strasse geschaut, und meine Augen waren angesichts der unchristlichen Uhrzeit ohnehin noch zu drei Vierteln geschlossen.
Mit einem tiefen Seufzer schaltete ich um auf Radiobetrieb. Die Backstreet Boys dudelten mir "Incomplete" ins Ohr. Na prima. Gibts das auch in leise ? Ein Griff und die Strichercombo war nicht mehr viel lauter als der Fahrtwind.
I've tried to go no like I never knew you
I'm awake but my world is half asleep
Das CD-Laufwerk schrammelte noch immer fröhlich aber erfolglos auf der kaputten CD herum, auch leichte Faustschläge gegen das Armaturenbrett brachten es nicht davon ab.
I've tried to go no like I never knew you
I'm awake but my world is half asleep
Das Geschrammel des Laufwerks veränderte sich, es wurde leiser.
Zum dritten mal tropfte der Chorus leise aus den Lautsprechern ...
I've tried to go no like I never knew you
I'm awake but my world is half asleep
... als plötzlich, mit infernalischer Lautstärke Bon Jovi dazwischen krähte:
HAVE A NICE DAHAHAY!
Und erneut fand ich mich auf der Standspur wieder, und das Adrenalin tropfte mir aus den Haaren. Wie gut, dass mein Business CD Radio noch ein weiteres Feature hat ... es merkt sich die letzte Lautstärke des CD-Players ...
Und der Rundfunktroll erklärte mir erneut: "Zur Zeit gibt es auf Bayerns Strassen keine nennenswerten Verkehrsbehinderungen" ... na wenn er meint...
castagir
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